Donnerstag, 1. März 2007

Für das Vergessen

Archivalia verweist auf Glasers Kolumne (https://archiv.twoday.net/stories/3384048/) und syroO
https://syro0.twoday.net/stories/3384277/ hat schon kommentiert.

Vielleicht sollte es gerade in Zeiten des perfekten Sammelns ein Recht auf Verlust geben. Und wir sollten unsere Hysterie über die ach so gefährdeten digitalen Daten mal mit ein wenig Gelassenheit betrachten. Jedes gesprochene Wort ist unwiederbringlich verloren, jedes Telefonat geht ist einmalig. Warum sollte dann jeder digitale Text, jedes digitale Bild überleben, was wollen wir unseren Nachkommen eigentlich antun?
Es wird keine Vollständigkeit der Quellen geben können, sondern zur Überlieferung gehört auch die Überlieferungslücke. Was aber bei all diesem Gejammer über all die ach so gefährdeten digitalen Daten vergessen wird, ist die Tatsache, daß auch die analogen Daten keineswegs sicher sind. Bücher werden verbrannt oder bewußt vernichtet, das Papier des 19. Jahrhunderts zerfällt. Und schlimmer noch: die Archive, die angeblichen Hüter der Vergangenheit, machen vor allem eines: sie vernichten, "kassieren" nennen sie das, mittlerweile liegt die Kassationsquote bei teilweise über 98 %! Sie haben gute Gründe dafür, aber weshalb um alles in der Welt wollen wir gerade bei den digitalen Daten verbissen alles aufheben? Überfällt uns hier die Panik?

Nachtrag: Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: ich nicht für das Wegwerfen, aber gegen eine fast hysterische Angst vor dem Verlust digitaler Daten, während gleichzeitig in großem Stil der Verlust analoger Daten akzeptiert wird (und nicht immer zu Unrecht).

Mittwoch, 28. Februar 2007

Virtuelle Räume, Multimedia und verlorene Autoren

Vor ein paar Tagen habe ich schon über das Buch von Claudia Brinker berichtet (Claudia Brinker-von der HEYDE: Die literarische Welt des Mittelalters. Darmstadt, 2007).

Noch ein paar Anmerkungen dazu, denn das Buch liest sich gerade dann faszinierend, wenn man sich auf viele aktuelle Diskussionen bezieht. Die komplexen Beziehungen zwischen Bild und Text waren dem Mittelalter offenkundig nicht fremd, wie andererseits der Autor zu einer virtuellen Figur wurde, die hinter den Texten verschwand, falsche Fährten legte und den Leser verwirrte. Andererseits waren die Texte nicht einem Copyright unterworfen, sondern wurden bei jedem Abschreiben verändert und weiter entwickelt.
Das alles kommt einem bekannt vor und zuweilen erscheint es dem Leser so, als bewege er sich heute als Nutzer und Schreiber im Internet ein wenig so wie der Autor des Mittelalters.

Dienstag, 27. Februar 2007

Simplicissimus online

Archivalia hat es gerade gemeldet (nur sehr knapp) und ich muß begeistert darauf verweisen: https://www.simplicissimus.info/.
Eine hoch interessante Quelle zur Kulturgeschichte, aber auch politischen Geschichte des 19. Jahrhunderts jetzt online verfügbar.

Linux Blog

Linux ist für mich immer noch eine "Liebe", die nicht richtig funktioniert, obwohl das System viele Vorteile bietet. Einen schönen Linux Blog mit Verweisen auf neue Software, wie jetzt Lightzone, bietet https://blog.chip.de/chip-linux-blog/. Linux läßt sich leicht installieren, "zickt" mittlerweile auch nicht mehr unbedingt bei Notebooks, bietet mit Evolution die einzige echte Outlook-Alternative, hat nicht nur Openoffice zu bieten (das mittlerweile keineswegs mehr so lahm ist wie manche behaupten, auch im Vergleich zu MS Office 2007, unter Windows XP). Wenn da nicht die Schwächen bei den Literaturverwaltungen wären, Bibus oder Jabref sind nett, kommen aber an Litlink, Citavi oder das von mir geschätzte Bibliographix einfach nicht ran.

Sonntag, 25. Februar 2007

Buchproduktion

Das hier kurz vorzustellende Buch hat nur einen Nachteil, den falschen Titel, denn es handelt in einer viel umfassenderen Weise von mittelalterlichen Büchern. Denn es geht um Buchproduktion im Mittelalter und zu Beginn der frühen Neuzeit in einem umfassenden Sinn, d.h. beginnend mit den technischen Voraussetzungen der Anfertigung von Büchern bzw. Pergamenten über das Schreiben, die öffentliche Rolle der Schreibenden usw.

Das Buch zeigt außerdem, wie sehr auch im Mittelalter die Textproduktion gesellschaftlich verankert war; sie war teuer, fand in Kommunikationsnetzen statt, diente nicht nur der Wissensvermehrung, sondern auch der Repräsentation. Das Materielle spiegelte auch den Inhalt wider.

Und weshalb schreibe ich hier darüber? Immer wieder stößt der Leser auf Phänomene, die in der aktuellen Debatte um digitale Medien diskutiert werden, wie die fehlende Dauerhaftigkeit der Texte bzw. Medien (beim Übergang zum Buchdruck bestanden Bedenken, daß Bücher überhaupt dauerhaft halten könnten im Vergleich zum Pergament), die Verbindung von unterschiedlichen Medien (wie Bild und Text in der Manessischen Bilderhandschrift), die Klagen über das fehlende inhaltliche Interesse von Buchproduzenten (die eher an Geld interessiert waren) oder die Gefährdung der Texte der Autoren durch - in diesem Fall - Schreiber, die teilweise sehr frei mit den vorliegenden Texten umgingen.

Alles in allem eine spannende Lektüre auch für den Nichtmediävisten.

Claudia Brinker-von der HEYDE: Die literarische Welt des Mittelalters. Darmstadt, 2007.




Donnerstag, 22. Februar 2007

Lesen seit dem Mittelalter

Im Blog der UB Dortmund findet sich u.a. ein Vortrag von Prof. Dr, Gerhard E. Sollbach über "rara sund cara - Seltenes ist teuer" über das Lesen seit dem Mittelalter als audiovisuelle Datei.
So test man die Leser, also hier ist der Link:
https://www.ub.uni-dortmund.de/ubblog/

KHS

Freitag, 16. Februar 2007

Literaturverwaltungen

Nachdem jahrelang kaum Literaturverwaltungen wahrgenommen wurden, gibt es derzeit einen gewissen Boom. Neben dem Klassiker Endnote haben sich in den letzten Jahren vor allem Citavi und mit einer Fülle von Funktionen etabliert. Beide haben Stärken und Schwächen, können aber nicht nur Literaturtitel verwalten, sondern sie auch aus OPACs laden. Wobei es auch hier wieder Pros und Contras für beide Programme gibt, Bibliographix bietet neben der z39.50-Schnittstelle auch eine Suche und Import über einen Browser, was mir persönlich lieber ist. Dagegen importiert Citavi gleich die Bestandsnachweise mit.
Wer Veränderungen liebt, ist mit Bibliographix sicher besser bedient, denn die "Betas" erscheinen häufig, lassen sich schnell installieren und die Neuigkeiten finden sich in einem neuen Blog. Darüber hinaus reagieren die Entwickler sehr schnell auf Anwenderwünsche oder beseitigen kleinere Fehler.

Freitag, 9. Februar 2007

Internet als Raum historischen Lernens

In Schleswig findet gerade eine Tagung zum Thema "Das Internet als Raum historischen Lernens" statt. Über die Tagung berichten Jan Hodel und Peter in ihrem Blog weblog.histnet.

Montag, 5. Februar 2007

Heinrich Göbel und kein Ende

Über den Wert von wikipedia-Artikeln wird gern gestritten, hier soll keine weitere Auseinandersetzung darum stattfinden (siehe aber: Jan Hodel in hist.net). Ich kenne ebenfalls, etwa aus dem Bereich der Agrargeschichte, sehr problematische Artikel, deren sorgfältige Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Eine - wie ich finde - kleine "Sternstunde" dagegen bieten die Seiten um den angeblichen Erfinder der Glühlampe, Heinrich Göbel aus Springe. Nicht nur der entsprechenden Seite der wikipedia, sondern mehr noch auf der Diskussionsseite findet sich eine Debatte, in der zwar heftig gestritten wird, vor allem aber ein Autor äußerst sachkundig nicht nur sich mit den Quellen auseinander setzt. Der Artikel und mehr noch die Diskussion ist für mich auch deshalb interessant, weil er zeigt, wie sehr historische Beiträge eben nicht allein aus einer wissenschaftlichen Sicht betrachtet werden können. Die wissenschaftlicher Perspektive ist dringend notwendig, aber sie muss sich teilweise einer konkurrierenden Wahrnehmung stellen, die sich zuweilen hartnäckig weigert, neue Erkenntnisse zu akzeptieren.
Bleibt in diesem Fall zu hoffen, dass die Enttäuschten, nämlich solche, die meinten im Sinne einer "Aufklärung" sich für Göbel einsetzen zu müssen, anerkennen, dass die wissenschaftlichen Argumente stichhaltig sind.
Geschichte ist Debatte, das lehren wir unseren Studierenden immer wieder. Nun: hier ist die Debatte zu beobachten.

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