"Fahren wie Gott in Frankreich", so oder ähnlich hat mal vor Jahren, wenn ich mich richtig erinnere, die französische Automarke Citroen für ihre Autos geworben. Heute hat diese Werbung eine neue Bedeutung bekommen. Wer von den hektischen deutschen Autobahnen kommt mit ihren vielen Baustellen, den vielen Tempolimits (mal 60, dann 80, dann 120, wieder 100 usw.) und dann wieder die freien Raserstrecken erleiden muss, der genießt das Dahingleiten mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 130 ohne die 200 km/h schnellen Mercedes und BMW geradezu. Gut, der Spaß kostet Geld und nicht zu wenig und an Ferienwochenende entwickeln sich Mautstellen und Raststätten zu Stauproduzenten erster Güter. Aber was am meisten auffällt, ist die Tatsache, wie vergleichsweise genau sich die Autofahrer an die Begrenzungen halten - ganz im Gegensatz zu deutschen Autobahnen, wo es zwar ausgefeilte Verkehrsleitsysteme gibt, die aber meist keinen Bezug zur Realität auf der Straße haben, und die vor allem von kaum jemanden beachtet werden.
Der Staat als Ordnungsgröße und Kontrollinstanz zieht sich aus dem öffentlichen Leben weitgehend heraus. Das Geld für Autobahnbaustellen ist zwar vorhanden, aber nicht für die den Verkehr kontrollierenden Autobahnpolizisten. Sollen Online-Durchsuchungen oder Großaufgebote davon ablenken, daß der Staat sich zunehmend aus der konkreten Präsenz zurück zieht? Wolfgang Reinhard schreibt dazu: "Kurzum, die Anzeichen mehren sich, dass die Kultur der Staats- und Rechtseinheit, die Europa in den letzten 200 Jahren charakterisiert hat, von einer neuen, diffusen politischen Kultur abgelöst wird." (Reinhard, Wolfgang: Lebensformen Europas: eine historische Kulturanthropologie. München 2006, S. 304)
KHSchneider - 9. Aug, 15:08
Archivalia hat schon darauf verwiesen, dennoch hier noch einmal und nach einigem Stöbern und Durchsehen: das Angebot digitaler Literatur der "
Digital Libraries Federation" in polnischen Bibliotheken mit deutschen Titeln ist fasznierend, wenngleich noch im Aufbau. Die gefundenen Dateien waren alle im DjVu-Format (
Plug-in), so daß auch nicht nur verschiedene Ansichten zur Verfügung stehen, sondern auch komplette Bücher leicht herunter geladen werden können.
KHSchneider - 9. Aug, 06:39
Auf dem Weg aus dem Camping-Urlaub in Frankreich finde ich
diese Nachricht. Na ja, die Digireg ist wirklich noch ein bescheidener Blog, aber um die Vorfreude zu erhöhen: zum Wintersemester werden zwei meiner Veranstaltungen sowohl die DigiReg als auch die Lernwerkstatt stärker nutzen. Versprochen!
Ach ja: die eingeschränkten Schreibrechte bei der LWG sind die Ängsten einiger Kollegen und Kolleginnen geschuldet, die um die Wissenschaftlichkeit ungeprüfter Beiträge Sorgen hatten ...
KHSchneider - 7. Aug, 22:33
Es gehört zu den besonderen Augenblicken im Leben eines Hochschullehrers, einen Studenten (oder eine Studentin, in diesem Fall aber einen Mann) bis zum Abschluß seines Studiums begleiten zu dürfen (nicht kontinuierlich, aber so, dass das Verständnis für den anderen immer da ist). Und dieser Augenblick wird noch schöner, wenn er an einem Ort statt findet, der etwas Besonderes ist. Die Hannoveraner wissen offenbar gar nicht, welchen Schatz sie im "Conti-Hochhaus" am Königsworther Platz haben: die Aussicht von die Königsworther Straße entlang auf die Ihme-Hochhäuser, die Schornsteine des Kraftwerks und dann über Linden hinweg Richtung Deister ist beeindruckend. Und wer sich dann noch nicht genug hat, geht über die Treppen nach unten, mit Blick auf die Nienburger Allee, das Hauptgebäude der Universität und die Herrenhäuser Gärten.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 18. Jul, 17:33
Über die neuen Studiengänge, Bachelor und Master, ist schon viel gestritten und geschrieben worden. Jetzt haben wir sie, sie machen viel Arbeit und deshalb muss immer wieder auch gefragt werden, ob sich der Aufwand für Studierende wie Lehrende gelohnt hat. Zur Zeit laufen gerade die Prüfungen, und zumindest diejenigen, an denen der Autor dieses Textes beteiligt war, zeigen eines sehr deutlich: die Studierenden werden besser. Sie werden intensiver geprüft: eine Modulprüfung umfasst eine halbe Stunde zu einem Thema (so intensiv werden formal nicht einmal Magisterstudierende geprüft) und sie zeigen dabei ein erstaunliches Wissen, Argumentations- und Reflexionsvermögen. Und da wir Historiker nur relativ wenig nach Fakten, sondern nach Zusammenhängen fragen und Argumentationsvermögen erwarten, glaube ich nicht, daß das alles nur kurzfristig eingepaukt wurde. Das Studium erhält seitens der Studierenden eine neue Intensität. Ich bin jedenfalls gespannt auf die weitere Entwicklung.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 17. Jul, 11:19
Das Internet als Kulturraum wird in im
Elektrischen Reporter dargestellt. Und nebenbei findet gerade eine weitere Revolution statt: wir sehen Filmchen anstatt Texte zu lesen.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 13. Jul, 12:39
Das
DHM (das Deutsche Historische Museum) gehört zu den Museen, die einerseits reichliche Ressorucen zur Verfügung, andererseits eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben, nämlich "die" deutsche Geschichte darzustellen. Das endet schnell mit einem vorsichtigen Taktieren, statt des Versuchs, neue Wege zu gehen. In der neuen Dauerausstellung des DHM ist dies Ergebnis zu betrachten. Viele Exponate und Museumsmacher, denen irgendwann im Verlauf der chronologisch erzählten Geschichte offenbar der Spaß am Darstellen verloren gegangen ist. Dass das nicht nur der oberflächliche Eindruck eines Besuchers ist, läßt sich jetzt, differenzierter nachlesen bei
HSozKult.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 13. Jul, 09:19
Die PC-Welt bietet eine
Hitliste der 20 "schlimmsten Funktionen aller Zeiten", die Windows zu bieten hat. Das mag übertrieben wirken, aber bei der täglichen Arbeit stellt sich schon zuweilen die Frage, wer hier für wen arbeitet. Nett finde ich es z.B. wenn ich meine externe Festplatte aus dem System nehmen will und sie nicht einfach abschalte, sondern Windows bitte, die Nutzung dieser Hardware zu beenden. Mit Vorliebe kommt dann die Meldung, das Gerät werde gerade verwendet und ich möge es "später" noch mal versuchen. Hallo! Ich will das Ding abstellen und mein Betriebssystem soll mir dabei helfen und mich nicht belehren. Und was heißt das überhaupt: "später"? So geht das immer wieder. Zuweilen überkommt mich das Gefühl, nicht der Computer ist da, um mir bei meiner Arbeit zu helfen, sondern ich bin dazu da, ihm dabei zu helfen, damit er richtig funktionieren kann. Fragt sich, was das für einen Sinn macht.
Na gut, dieser Kommentar bezieht sich auf mein 1,7 Ghz schnelles Notebook, das mir aber zuweilen arg langsam vorkommt. Der Desktop-Rechner, an dem ich dies schreibe, bereitet mehr Freude und verursacht nicht so lange Wartezeiten, was aber auch nichts an den vielen Feinheiten des eigensinnigen Humors der Windows-Programmierer ändert. Demnächst steht ein MacBook an, ich bin schon gespannt.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 11. Jul, 23:20
Eine differenzierte Sicht auf den Einsatz des Web 2.0 bringt dieser Artikel bei der der
ZEIT. Er zeigt vor allem, dass E-Learning keine einfache Lösung bietet, aber durchaus Antworten auf Herausforderungen bietet, die sich im Studium heute stellen. Eine Fülle von Informationen und Diskussionen zum Thema bietet der
Hist.net. Die Frage, ob man heute die Funktionen von Web 2.0 nutzen sollte, stellt sich m.E. gar nicht mehr, sondern nur das Wie.
Powered by ScribeFire.
KHSchneider - 9. Jul, 09:23
Wir leben in einem wunderbaren Land, in dem sich unsere Politiker fachkundigst mit den wichtigsten Themen auseinandersetzen, wie sich immer
wieder zeigt. Insofern sind Klagen wie die auf
Hist.net über das vermutliche Ende von subito nun wirklich überzogen, oder doch nicht?
Diese letzte Frage ist natürlich eine rhetorische. Aber wenn die Verlage zunehmend Druck auf den Wissenschaftsmarkt ausüben, sollten sie auch bedenken, dass sie von den Produkten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler abhängig sind, die leider viel zu langsam auf
OpenAccess umstellen.
KHSchneider - 2. Jul, 00:22