Die vielen Klagen über den drohenden Gedächtnisverlust digitaler Medien blendet gern aus, dass Überlieferung meist nie einfach so "überlebt", sondern einen intensiven und langfristigen Aufwand voraussetzt. Die zentrale Informationsquelle für Historiker, nämlich die Archive, sind das Ergebnis gezielten staatlichen Handelns gewesen, das Dauer voraussetzte und einen relativ aufwendigen Apparat benötigte. Ohne diesen Apparat ist auch frühere Überlieferung gefährdet gewesen, und zwar in hohem Maße. Gab es keine institutionelle Absicherung, fehlt auch die Überlieferung. Das Mittelalter zeigt dies deutlich, denn ohne die Überlieferungsleistung etwa der Kirchen würden wir weitaus Informationen haben.
Überlieferung setzt also immer einen bewussten Akt voraus, sich langfristig um die Sicherung von Informationen zu bemühen und dafür auch die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen und zu pflegen.
Die akute Gefährdung unserer heutigen digitalen Überlieferung ist denn auch mehr der Weigerung dieser Gesellschaft zuzuschreiben, sich intensiv diesem Thema zu widmen. Erst nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, die neuen technischen Möglichkeiten nicht nur als Problematik, sondern als Chance zu verstehen. Vielleicht sind die Briten da weiter, wenn etwa die British Library
Emailssystematisch erfasst. Dann wird auch deutlich, dass hierüber Informationen zum alltäglichen Sprachgebrauch bzw. Schriftgebrauch der Menschen möglich ist, der uns gerade für frühere Epochen fehlt.
KHSchneider - 10. Mai, 13:13
Es gehört zu den Standardfragen in Prüfungen, nach Epochengrenzen zu fragen, etwa nach dem "Beginn der frühen Neuzeit". Ich warte immer noch auf den Studenten, die Studentin, welche mir mit allem gebotenem Ernst und ohne Sinn für den leichtesten Zweifel an der Aussage, den 1.1.1501 nennt. Auf das 1501 lege ich Werte, schließlich fangen mit mit 1 an zu zählen. 1500 wäre schon schlecht. Aber nein, wir Prüfer bekommen dann immer kleine Vorträge über die sattsam bekannten Ereignisse.
Allerdings: Wenn ich nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs fragen würde, gäbe es eine klare Antwort und nicht einmal Stirnrunzeln seitens des Fragenden; höchstens bei der Frage nach dem Ende dieses Krieges (falsche Antwort: 8.5.1945). Dass es so einfach nicht ist, und wir Deutsche uns dabei zu gern in den Mittelpunkt stellen, wird häufig übersehen. So gibt es in der aktuellen Sonntagsausgabe einen Beitrag von Freddy Litten, in dem er den Beginn des Weltkriegs auf einen Zwischenfall an der Marco Polo-Brücke am 7.7.1937 datiert. Warum auch nicht? (FAZ 6.5.2007, S. 2; online nur für Abonnenten oder gegen 2 € erhältlich).
Schließlich war der 7jährige Krieg auch keine sieben jähriger, sondern begann schon 1754 und den 30jährigen Krieg als solchen zu bezeichnen, ist auch eher eine Definitionsfrage.
KHSchneider - 6. Mai, 10:53
Der Teppich von Bayeux in
animierter Form (siehe auch
hist.net) bietet einen faszinierenden Blick auf eine der bekanntesten Bildquellen des Mittelalters.
KHSchneider - 5. Mai, 21:23
"Warum haben wir das nicht im ersten Semester gelernt", fragte heute ein Student im Examensseminar, als wir über Literaturverwaltungsprogramme gesprochen haben. Ja, warum eigentlich nicht? Studierende finden so etwas offenbar uncool und vergessen schnell und Lehrende scheinen noch zu häufig, der "guten, alten" Literaturliste im Word-Dokument anzuhängen, als sich neuen Möglichkeiten zu öffnen. Na gut, das ändert sich langsam, aber eben langsam.
Hier sollen keine Programme vorgestellt werden, denn das wird schon u.a. in unserer
Lernwerkstatt EDV gemacht.
Einen netten Artikel über das Verzetteln bietet etwa Markus
Krajewski, der selbst das Programm
Synapsen entwickelt hat (Sorry, das Programm läuft als Java-Anwendung unter allen Betriebssystemen, aber irgendwie kommen wir nicht zusammen, das sollte aber nicht vor einem Test abschrecken!).
KHSchneider - 4. Mai, 22:45
„Es gibt im 16. Jahrhundert keinen Mittelmeerstaat, der nicht seine prallgefüllten Archive hätte voller Dokumente, die den Bränden, Belagerungen oder sonstige Katastrophen, wie sie die Welt des Mittelmeers kennt, entgangen sind. Um diese ungeahnten Schätze, diese Adern gediegensten Goldes zu inventarisieren und zu sichten, reicht ein Leben nicht aus, man brauchte zwanzig - oder zwanzig Forscher gleichzeitig, die ihr Leben dieser Aufgabe widmeten. Vielleicht werden wir auf den Baustellen der Geschichte eines Tages nicht mehr mit unseren primitiven handwerklichen Methoden zu arbeiten haben ... Dann werden wir vielleicht in der Lage sein, die allgemeine Geschichte anhand von Originaltexten und nicht von Büchern aus mehr oder weniger erster Hand zu schreiben.“ Diese Sätze schrieb Fernand Braudel im Jahr 1946 in der Einleitung seines epochalen Werkes über „Das Mittelmeer und die mediterrande Welt in der Epoche Philipps II.“ Wie hätte Braudel wohl angesichts der heutigen Möglichkeiten des Internet reagiert? Wäre er auch in die Lethargie vieler Kollegen verfallen, für die das Internet vielleicht noch eine günstige Möglichkeit der Bibliotheksrecherche darstellt, ansonsten aber eher lästiges Beiwerk? Mir ist schon bewußt, dass das neue Medium eine Fülle von Aktivitäten hervor bringt, wie allein aus den Blogs von Hist.Net oder Archivalia deutlich wird. Und dennoch: in der Alltagsarbeit fallen immer wieder eher die Hindernisse auf, die teilweise nur unwillige Bereitschaft sich mit dem Medium auseinander zu setzen. Ein Grund wird immer wieder genannt: Keine Zeit. Dahinter stehen dann aber Grundsatzentscheidungen. Wer keine Zeit für das Internet und seine einzelnen Elemente im Sinne wissenschaftlicher Arbeit hat, hat damit eine Grundsatzentscheidung gefällt: Er will nicht. Denn genau so sinnvoll könnte es ja sein, sich gerade diese Zeit zu nehmen, weil man sich davon einen Vorteil verspricht. Aber so leben wir in einer zweitgeteilten Welt, deren Digitalisierung nur von einem kleinen Teil der Wissenschaftler wahrgenommen wird. Das hat auch Auswirkungen für die Lehre, denn während viele Lehrenden schon froh sind, überhaupt eine Präsentation zusammen zu stellen (nicht ohne meist darüber zu lästern), bewegen sich die Studierenden schon im Web 2.0 und darüber hinaus.
KHSchneider - 22. Apr, 12:59
Eigentlich wollte ich nicht das "nachkauen", was in anderen Blogs steht, aber
dieser Beitrag bei Hist.net ist einfach zu gut und trifft das, was mancher bei seinen KollegInnen schon erlebt hat. Viel Spaß!
KHSchneider - 18. Apr, 23:19
Arbeitszeit 10-20 Stunden die Woche. Näheres dazu ist hier zu finden:
https://www.heise.de/jobs/zeige_extern.pl?id=6601de1bc6cc
Claus Franke - 17. Apr, 15:01
Die niedersächsische Hochschullandschaft bekommt einen neuen Schupser: eine neue
Hochschule soll entstehen. Es wird spannend!
KHSchneider - 16. Apr, 17:27
Na gut, es sind dicke Bücher darüber geschrieben worden, aber hier ein paar einfache Regeln:
1. Bis auf das Deckblatt alles über Absatzvorlagen formatieren,
2. keine Rahmen verwenden (die verrutschen oder machen sonstigen Unsinn),
3. Für die Überschriften die vorhandenen Formatvorlagen Überschrift 1 und 2 verwenden und ggf. anpassen,
4. für den Fließtext ein oder zwei Textvorlagen verwenden; für den ersten Absatz nach einer Überschrift habe ich wegen des Einzugs eine andere gewählt als für die folgenden Absätze,
5. KEINE leeren Absätze, nirgends! Der Abstand zwischen Überschrift und Folgetext wird über die Absatzvorlage eingestellt,
6. In den Fußnoten (eigene Absatzvorlage keine 1,5 Zeilen Abstand)
7. Automatische Generierung des Inhaltsverzeichnisses (kann sein, daß dies beim Konvertieren nach Word wieder verloren geht).
Übrigens geht das immer noch besser mit OpenOffice (oder StarOffice) oder auch mit Textmaker als mit Word, das besonders in der Version 2007 mit einer Fülle von Einstellungen und Varianten einen erheblichen Zeitaufwand verursacht, der nicht durch entsprechende Ergebnisse gedeckt wird. Allerdings ist dafür die Rechtschreib- und vor allem Grammatikprüfung bedeutend besser.
KHSchneider - 16. Apr, 09:20